HMG13 – Der dem Teufel vermachte Junge

Da unten im Prachtgäßchen in Clausthal wohnte vor langen Jahren eine Frau, die hatte ihren Jungen dem Teufel vermacht, damit er ihr dafür recht viel bringen sollte. Wie die Zeit nun bald herum war, daß der Teufel nach ihrer Meinung den Jungen holen mußte, da macht sie sich fort ins Land, und läßt ihr Kind zu Haus.

Des Abends in der Dämmerung sitzt der Junge hinterm Tisch auf der Bank, und seine Wirthin und ihre Schwester sitzen und spinnen Hede. Alles ist still, die Räder schnurren bloß und draußen saust der Wind; es ist ein recht graulicher Abend. Da hören sie mit einem mal ein Gepolter, und ein Spektakel im Schornstein herunter und hinein in den Ofen, daß den Frauen Hören und Sehen vergeht.

Zur Thür können sie nicht hinaus, die ist zu. Hinaus wollen und müssen sie. Sie springen also zum Fenster hinaus, und sagen: Junge, komm’ mit. Ach, schreit der, ich kann nicht, ich kann ja nicht vom Platz, es ist, als wär’ ich fest gebannt. Sie lassen ihn also sitzen und machen so schnell sie können, um auf die Nachbarschaft zu laufen und Hülfe zu holen.

Als sie wieder kamen mit Hülfe, da ist der Junge vom Platz weg, die Wände sind mit Blut verspritzt und es ist eine wahre Wüstenei in der Stube. Alles über einander geworfen, Tische und Bänke umgestürzt und mitten in der Stube liegt der Junge mit zermalmten Armen und Beinen und ist todt.

(von August Ey)

Der Hexenritt

Hexenritt 300Ein Bergmann hat immer darüber gespottet, wenn die Leute gesagt haben, die Hexen reiten nach dem Brocken in der Walpurgisnacht. Öfter hat er dann gesagt, wenn mir nur einmal solch ein altes Tier in die Quere käme, ich wollte sie schmeißen, sie sollte die Beine aufkehren! Was will denn solch ein Gerippe von einem alten Weibe, dass nur aus Haut und Knochen zusammengesetzt ist, gegen unser einen.

Na, na, sagt oft die alte Nachbarin, die nebenan gewohnt hat: Napper, Napper, su was lächtes iss es doch net, sune Reiterin obzeschmeißen, nammt ich an Wulperscheband in Acht. Possen, nicht als Possen, hat er dann gesagt. Ich will ihrs schon geben, dass ihr das Reiten vergehen will. Darauf hat die Alte geschwiegen.

Nun kommt der Walpurgusabend, den Abend wir knollig geschossen, es ist gewesen, als wenn der Feind angekommen ist. Mit Katzenköpfen, Flinten, Büchsen und Pistolen. Jedes hat sein Knalleisen an dem Abend tüchtig gebraucht, und je stärker das es geknallt hat, desto mehr hat man sich darüber gefreut. Den Abend, es ist so gegen neun gewesen, muss der Bergmann anfahren, er hat Order gekriegt, im Schacht hat’s gebrochen, er soll dem Ausrichter helfen.

Wie er nun auf die Bremerhöhe kommt, da kommt denn ein Schwarm alte Weiber angesaust durch die Luft; das ist ein Geschrei und Gejohl gewesen, als wenn alle Teufel los sind. Eine kommt herunter, stülpt den Bergmann um, er mag wollen oder nicht und gleich auf ihn, und da geht’s durch die Luft fort hinter die Anderen her nach dem Brocken.

Er kann kaum atmen, dabei ist dass alte Weib so schwer, dass es ihm die Knochen fast eindrückt. Um elf kommen sie auf dem Brocken an, da wird er erlöst, sie steigt ab und der Bergmann fällt halb tot auf die Erde. Da umzingeln ihn nun die anderen Hexen und tanzen um ihn und der Teufel ist auch dazwischen; dann richten sie ihn auf und fragen ihn, ob er nun schweigen könne oder ob er in Öl gebraten werden wollte. Wer will sich aber gern in Öl braten lassen; er sagt, er wolle nichts wieder sagen von den Herrn. Da spricht der Teufel, wenn er sich aber je ein Wort verlauten ließe, so wäre er ein Kind des Todes. Da oben haben die Hexen denn aber eine Schande getrieben, das darf man gar nicht sagen.

Wie es nun so gegen zwölf hinkommt, da macht sich der ganze Schwarm wieder auf und die eine Hexe kriegt unseren Bergmann wieder her, setzt sich darauf und nun geht’s wie unsinnig durch die Luft und zurück bis nach Bremerhöhe bei Clausthal. Auf der Stelle, wo ihn das Hexenweib gefasst hat, da geht es wieder nieder und er ist frei. Ein paar Stunden hat er erst gelegen und hat sich erholen müssen, dann kriecht er langsam nach Haus.

Seine Frau ist schon wieder aufgestanden und will eben fort in den Wald und eine Tracht Holz holen, als er nach Haus kommt. Ach Frau, sagt er, bleib da. Ich hab eine schlechte Nacht gehabt. Geh hinaus in die Küche und leg ein bisschen Holz in den Ofen, ich habe geschwitzt, dass ich mich umziehen kann. Sie geht hinaus und tut es. Da erzählt er dem Ofen sein Schicksal; seine Frau steht am Ofen beim Einheizen und hört es. Kommt herein, sagt aber nichts. Eine halbe Stunde darnach kommt auch das alte Weib, die Nachbarin und spricht: Es wäre sein Glück, dass er es beim Ofen und seinem Menschen erzählt hätte, sonst sollte er sehen, wie es ihm ginge.

Da wissen sie, dass dies eine Hexe gewesen ist. Die Frau geht hin und sieh, die infame Hexe wird verbrannt, da ist ihr gerade Recht geschehen.

(von August Ey)

HMG02 – Der Pochknabe und der Teufel

Jeder Pochknabe kriegt von seinem Lohn sieben Pfennige, damit kann er machen, was er will. Das ist so Sitte. Sonst haben aber auch die Pochjungen in der Löselstunde gewürfelt und um Pfennige oder sonst etwas gespielt, und am besten ist es am Freitag gegangen, wenn sie ihren Lohn bekommen haben und ihre sieben Pfennige.

Nun hat einst ein Pocher seine sieben Pfennige verspielt, er hat sie aber wiedergewinnen wollen und packt seinen Lohn an, den er mit nach Haus bringen muss. Wie er nichts mehr hat, muss er doch aufhören. Nun sieht er erst, was er gemacht hat und wie‘s ihm geht, wenn er mit leerer Hand nach Haus kommt und bringt keinen Lohn mit; denn sein Vater und seine Mutter sind arg schlimm gewesen und haben gleich erbärmlich auf ihn losgeprügelt mit dem Heftstrick wenn er etwas angestellt hat. Wie der Pochjunge des Abends Schicht hat und nach Haus geht, ist er der allerletzte; er fürchtet sich vor der Strafe, deshalb geht er ganz langsam und weint immer fort vor sich hin.

Auf einmal kommt ihm ein fremder Herr entgegen, der hat einen schönen feurigen Rock an, einen etwas dicken Fuß und dann eine hohe Mütze auf, der fragt ihn, was ihm fehle. Der Junge sagt‘s. Darauf spricht der Mann recht freundlich, ob er (der Junge) morgen früh, wenn das beten anging aus dem Pochwerk kommen wolle und ihm dann gehören, so solle er jetzt sein Geld wieder haben, und noch viel mehr, als er gehabt hätte.

Der Junge ist froh, dass er sein Geld wieder haben soll und hat gar nichts Arges daraus und spricht: „Ja“. Darauf gibt ihm der Mann so viel Geld, dass dem Jungen sein Brotbeutel voll wird und der Mann verschwindet. Nun ist der Pochjunge froh und geht nach Haus. Kaum tritt er in die Stube, so schüttet er voll Freunde das ganze Geld auf den Tisch. Die Alten verwundern sich und fragen gleich: Junge, wo hast du das viele Geld her? Da sagt‘s der Junge ganz ohne Arg.

Das behalten wir nicht, spricht der Vater, das ist Teufelsgeld, das hat dir der Teufel gegeben, der ist es gewesen, der hat dich verführt und will dich morgen holen. Das soll ihm aber nicht gelingen. Du packst das Geld zusammen, wir müssen zu dem Superintendenten, der weiß gewiss Rat dagegen. Der Junge packt den Kram zusammen, wäscht sich und muss gleich in seinem Anfahrzeug mit zum Superintendenten. Alles wird erzählt.

Darauf sagt der Prediger, er wolle morgen früh mit dem Pochknaben anfahren, vorher solle aber der Junge eine Nadel nehmen, sich in die Hand stechen, dass drei Blutstropfen herauskämen und die Blutstropfen solle er in den Brotsbeutel laufen lassen und den Beutel wieder mitnehmen. Dann soll der Teufel seinen Willen nicht haben. Wir wollen ihm bei dieser Gelegenheit den Brei richtig versalzen. Das Geld aber könne der Vater behalten.

Nein, sagt der Vater, den verfluchten Kram behalte ich keine Stunde im Haus, das macht uns unglücklich; lieber ist es mir, wenn es die Armen kriegen, die wissen doch nicht woher es ist und tut denen gut. Damit ist auch der Superintendent zufrieden und behält es.

Wie es vier läutet am anderen Morgen, da geht der Superintendent mit dem Pochknaben zum Zellerfeld hinaus, hinunter nach dem Tal, nach dem Nonnenklosterpochwerk, das ist es gewesen, wo der Pocher gearbeitet hat. Alle wundern sich, dass der Mann mit nach dem Pochwerk kommt, allein man denkt, er will einmal das Beten anhören und damit ist es gut.

Das Beten geht an, der Superintendent hat den Brotbeutel mit den drei Bluttropfen in der Rocktasche. Alle sind andächtig, bis das Vaterunser gebetet wird. Der letzte Vers wird noch gesungen, da klopft wer draußen an das Fenster. Der Superintendent macht das Fenster auf und reicht den Brotbeutel mit den drei Bluttropfen hinaus.

Da entsteht ein gefährliches Prellerts und ein ekliger Schwefelgeruch kommt zum Fenster hinein. Alle erschrecken sich und wissen nicht, was das ist. Der Superintendent weiß es aber und der Pochjunge auch.

Wie es Tag wird, da liegt der Brotbeutel in Fetzen zerrissen vor dem Pochwerk. Von der Zeit an ist dem Pochknaben so was nicht wieder passiert. Das Geld haben aber denselben Tag noch viele Arme bekommen und sich gefreut. Der Pochknabe ist aber um seinen Lohn gekommen.

(von August Ey)

Der Pochknabe und der Teufel

Der Pochknabe und der TeufelJeder Pochknabe kriegt von seinem Lohn sieben Pfennige, damit kann er machen, was er will. Das ist so Mode. Sonst haben aber auch die Pochjungen in der Löselstunde gewürfelt und um Pfennige oder sonst etwas gespielt, und am besten ist es am Freitag gegangen, wenn sie ihren Lohn bekommen haben und ihre sieben Pfennige.

Einst hat nun ein Pocher seine sieben Pfennige verspielt, er hat sie aber wiedergewinnen wollen und packt seinen Lohn an, den er mit nach Haus bringen muss. Wie er nichts mehr hat, muss er doch aufhören. Nun sieht er erst, was er gemacht hat und wie’s ihm geht, wenn er mit leerer Hand nach Haus kommt und bringt keinen Lohn mit; denn sein Vater und seine Mutter sind brav schlimm gewesen und haben gleich erbärmlich auf ihn losgeprügelt mit dem Heftstrick wenn er etwas pecciert hat. Wie der Pochjunge des Abends Schicht hat und nach Haus geht, ist er der allerletzte; er fürchtet sich vor der Strafe, deshalb geht er ganz langsam und weint immer fort vor sich hin.

Auf einmal kommt ihm ein fremder Herr entgegen, der hat einen schönen feurigen Rock an, einen etwas dicken Fuß und dann eine hohe Mütze auf, der fragt ihn, was ihm fehle. Der Junge sagt’s. Darauf spricht der Mann recht freundlich, ob er (der Junge) morgen früh, wenn das beten anging aus dem Pochwerk kommen wolle und ihm dann gehören, so solle er jetzt sein Geld wieder haben, und noch viel mehr, als er gehabt hätte.

Der Junge ist froh, dass er sein Geld wieder haben soll und hat gar nichts Arges daraus und spricht: Ja. Darauf gibt ihm der Mann so viel Geld, dass dem Jungen sein Brotbeutel voll wird und ist verschwunden. Nun ist der Pochjunge froh und geht nach Haus. Kaum tritt er in die Stube, so schüttet er voll Freunde das ganze Geld auf den Tisch. Die Alten verwundern sich und fragen gleich: Junge, wo hast du das viele Geld her? Da sagt’s der Junge ganz ohne Arg.

Das behalten wir nicht, spricht der Vater, das ist Teufelsgeld, das hat dir der Teufel gegeben, der ist es gewesen, der hat dich verführt und will dich morgen holen. Das soll ihm aber nicht gelingen. Du packst das Geld zusammen, wir müssen nach dem Superintendenten, der weiß gewiss Rat dagegen. Der Junge packt den Kram zusammen, wäscht sich und muss gleich in seinem Anfahrzeug mit nach dem Superintendenten. Alles wird erzählt.

Darauf sagt der Prediger, er wolle morgen früh mit dem Pochknaben anfahren, morgen früh solle aber der Junge, ehe er anführe, eine Nadel nehmen, sich in die Hand stechen, das drei Blutstropfen herauskämen und die Blutstropfen solle er in den Brotsbeutel laufen lassen und den Beutel wieder mitnehmen. Dann soll der Teufel seinen Willen nicht haben. Wir wollen ihm bei dieser Gelegenheit den Brei richtig versalzen. Das Geld aber könne der Vater behalten.

Nein, sagt der Vater, den verfluchten Kram behalte ich keine Stunde im Haus, das macht uns unglücklich; lieber ist es mir, wenn es die Armen kriegen, die wissen doch nicht woher es ist und tut denen gut. Damit ist auch der Superintendent zufrieden und behält es.

Wie es vier läutet am anderen Morgen, da geht der Superintendent mit dem Pochknaben zum Zellerfeld hinaus, hinunter nach dem Tal, nach dem Nonnenklosterpochwerk, das ist es gewesen, wo der Pocher gearbeitet hat. Alle wundern sich, dass der Mann mit nach dem Pochwerk kommt, allein man denkt, er will einmal das beten anhören und damit ist es gut.

Das beten geht an, der Superintendent hat den Brotbeutel mit den drei Bluttropfen in der Rocktasche. Alle sind andächtig, bis das Vaterunser gebetet wird. Der letzte Vers wird noch gesungen, da klopft wer draußen an das Fenster. Der Superintendent macht das Fenster auf und reicht den Brotbeutel mit den drei Bluttropfen hinaus.

Da entsteht ein gefährliches Prellerts und ein ekliger Schwefelgeruch kommt zum Fenster hinein. Alle erschrecken sich und wissen nicht, was das ist. Der Superintendent weiß es aber und der Pochjunge auch.

Wie es Tag wird, da liegt der Brotbeutel in Fetzen zerrissen vor dem Pochwerk. Von der Zeit an ist dem Pochknaben so was nicht wieder passiert. Das Geld haben aber denselben Tag noch viele Arme bekommen und sich gefreut. Der Pochknabe ist aber um seinen Lohn herum gewesen.

(von August Ey)