HMG27 – Die Strafe

Vor vielen Jahren lebte hier im Harzwalde ein großer und starker Mann, der in einer Höhle seine Wohnung hatte. Rauben und Stehlen war sein Handwerk, Mord und Brand seine Lust. Lange Zeit hat er es so getrieben, ohne daß er irgendwie daran gehindert wäre. Es hat aber alles seine Zeit, und so sollte die Ruchlosigkeit dieses Menschen auch aufhören.

Einst, da er auch auf Raub ausgegangen war und nichts ergattert hatte, wollte er wieder in seine Höhle zurückgehen. Da steht mit einem Male ein kleines freundliches Männlein vor ihm, hat einen Rock an, der mit Gold und Silber wie übersäet ist. Der Räuber geht dem Kleinen mit seinem Spieße zu Leibe; Trotz alles Bittens und Flehens stößt er ihn nieder. Indem er aber zur Erde stürzt, so steht ein grimmiger Hirsch vor dem Bösewicht, und eh dieser sich besinnen kann, that er ihn schon auf seinen langen Hörnern, eilt mit ihm auf einen hohen Berg und wirft ihn von da von einem vorspringenden Felsen hinab, daß er beide Beine bricht und nun nicht mehr von der Stelle kann. In solch trostloser Lage muß er einen schrecklichen und schmachvollen Hungertod sterben, und die Raben haben dann sein Fleisch verzehrt.

(von August Ey)