HMG30 – Der Weinberg

In Lautenthal hatte sich einst ein Mann einen Weinberg angelegt, der brachte ihm aber nicht das Salz, viel weniger gute Trauben oder schönen Wein ein. Warum das? Es war kein gutes Wetter.

Einstmals gieng er hinaus nach seinem Weinberge und sagte zu sich selbst: Wenn ich doch nur einen Sommer das Wetter machen könnte, dann wollte ich schon schönen Wein ernten. Kaum hat er dies gedacht, so kommt ein kleiner Knabe daher und sagt: Dein Wunsch ist erfüllt, wie du befiehlst, so wird das Wetter sein und damit war der Knabe verschwunden.

Der Mann war recht froh und ließ jetzt erst einmal die Sonne warm scheinen, dann mußte es regnen und so fort, daß es nach seiner Meinung recht fruchtbares Wetter war, auch für seinen Weinberg. Die Zeit hindurch wuchs auch alles recht hübsch, und ein Jeder freute sich. Als nun der Herbst kam, da waren alle Weinstöcke voll Trauben, und der gieng hinaus und pflückte sie.

Beim Kosten der ersten wäre er beinah vor Schreck von dem steilen Berg herabgefallen, so sauer und geschmacklos waren seine Weinbeeren. Da stand aber auch der kleine Knabe wieder bei ihm und sprach: Siehe Mensch, deinen Wunsch erfülle ich. Du ließest Sonnenschein und Regen kommen, aber den Wind vergaßest du. Darum soll der Mensch nicht vorwitzig sein und dem Herrn vorgreifen. Da war der Knabe verschwunden.

Der Mann gieng nach Haus und überließ Gott das Regiment, da hat er denn doch oft gut Wetter und gute Weintrauben bekommen; aber nicht immer.

(von August Ey)

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