HMG26 – Das Bekenntniß des Zwergs

Einer Mutter ist ihr Kind durch die Zwerge ausgetauscht und dafür haben sie ihr ein Wechselbalg hingelegt. Die Mutter ist traurig darüber; denn das Kind sieht so alt aus. Sie klagt ihre Noth einem Handwerksburschen. Dieser sagt, daß es ihr Kind auch nicht sei, sondern ein Zwerg, und das könne sie leicht erfahren, wenn sie Öl glühe und dabei das Kind auf dem Arm hätte und dann früge, wie alt er sei. Die Frau thut’s und setzt Öl auf’s Feuer und hat das Kind dabei auf dem Arm; das frägt, was sie machen wolle und die Mutter sagt, sie wolle Konfent brauen. Dabei setzt sie lauter hohle Wallnußschalen um das Feuer herum, damit sie nachher den sogenannten Konfent hineingießen kann. Da sagt der Zwerg ganz arglos und unbedacht:

I, so bin ich doch su alt,
Wie der gruße Harzerwald,
Su was ich hah’ ich nett gesahn,
In mein lange lange Lahm.
Bier zu thun in Wallnußscholn!

Da weiß die Mutter, daß es ein alter Zwerg ist. Sie setzt ihn deshalb in die Stube und befiehlt ihm, ihr Kind herbeizuschaffen, sonst würde er umgebracht. Der Zwerg sagt, sie möge nur einmal hinausgehen, und als sie wieder hereinkommt, da ist ihr Kind da, aber der Zwerg ist weg. Nachher ist das Kind groß, stark, reich und auch recht glücklich geworden.

(von August Ey)

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