HMG11 – Podwichtelfolge

Zu Weihnachten haben wir von unseren lieben Podwichteln Fabian und Thorsten diese großartige Folge, inklusive eines Beitrags der wundervollen Hoaxmistress Alexa, geschenkt bekommen.

Wir haben uns sehr über diese Folge gefreut und bedanken uns recht herzlich dafür. Wir hoffen unsere Bewichtelten freuen sich über ihr Geschenk ebenso wie wir uns über diese Folge gefreut haben.

Welcher Podcast uns bewichtelt hat, und welchen Podcast wir bewichtelt haben, wird zunächst nicht verraten. Wir verraten nur so viel; beide Podcast sind absolut hörenswert.

Wir wünschen unseren Hörern viel Spaß beim Hören, frohe [Weihnachten|Chanukka|Jahres-Endzeit-Fest|oder was immer euch glücklich macht].

Hallo,

wir durften über das Podwichteln 2016 eine Folge für diesen Podcast machen.

Da wir keine Vorlesestimmen haben, können wir dieses nur so machen wie wir es können. Wir besprechen in unseren Podcast Hörspielgeschichten einer bestimmten Hörspielserie, also dachten wir uns, wir besprechen eine Harzgeschichte.

Wir bedanken uns, das Alexa von Hoaxilla – dem skeptische Podcast aus Hamburg, die uns in einen kleine Einspieler erklärt hat, was der Unterschied zwischen Sage und Märchen ist.

Viel Spaß noch.

Fabian und Thorsten

HMG10 – Der beste Schuß

Es war einmal ein Bergmann, der schoß gern und konnte auch gut schießen. Nun war Freischießen in Goslar und da wollte er auch einmal sein Heil versuchen, ob er den reichen Goslarschen einige Thaler dabei abnehmen könne. Vorzüglich lag ihm daran, den besten Schuß zu thun und dann die Ehre davon zu haben; denn den besten Gewinn konnte er als Fremder nicht kriegen nach den Schützenregeln.

Er nimmt also sein Gewehr vom Nagel, es ist erst hübsch geputzt und rein gemacht, es blittert und blänkert und damit fort. Als er auf die hohle Kehle kommt, damals ist der Weg noch schrecklich schlecht gewesen, so sitzt da ein alter, schwacher Mann und schwitzt und ruht sich aus, dabei ist er ganz zerlumpt, und die bloße Haut guckt hie und da durch sein dünnes Zeug; die greisen Haare hängen unter seinem alten Hut vor, und die Hand und das Gesicht sind ganz abgezehrt und abgehagert. Ach, sagt dieser Alte: lieber Mann, gebt mir doch, um Gotteswillen, ein Almosen. Der Bergmann hatte ein gutes Herz, er griff in die Tasche und gab ihm die Hälfte von seinem ganzen Gelde, wofür er zwei Sätze schießen wollte. Der arme Mann schien vor Freude stumm zu werden und dankte recht herzlich für das große Geschenk, dabei sagte er: Ihr seid ein Schütze und wollt hinuter nach Goslar zum Schützenhof und mit schießen. Ich weiß es. Hier nehmt dies Gläschen und wenn ihr schießen wollt, so gießt daraus drei Tropfen auf das Visier. Dann ging er fort und der Bergmann nach Goslar.

Als er nach Goslar kam und eben schießen wollte, holte er erst sein Gläschen hervor und goß drei Tropfen auf´s Visier, legte dann an, und o Wunder, er hatte nun die weite Scheibe ganz dicht vor sich, so daß er nur auf den Nagel zu halten brauchte. Als es knallte, tanzte der Scheibenweiser und wollte gar nicht fertig werden. Der Bergmann hatte mitten auf den Nagel getroffen und den besten Schuß. So giengs mit jedem Schuß und der nahm ein ungeheures Geld mit nach Haus und hatte auch die Ehre, den besten Schuß gethan zu haben; so hatte er mehr auf den einen Satz, als er sonst auf zwei gehabt hätte.

Darnach nahm er sein Gewehr auf die Schulter und gieng mit vollen Taschen wieder nach dem Harz. Als er auf die Stelle kam, wo der Alte gesessen hatte, da saß er wieder und fragte: Na, wie ist es gegangen? Recht gut, sagte der Bergmann. Jetzt müßt ihr mir aber mein Fläschchen wiedergeben<&q>. Ja wohl sagte der Bergmann, holte es aus der Tasche und reichte es gleich dem Alten hin. Auch bedankte er sich dabei und sagte, so etwas hätte er in seinem ganzen Leben noch nicht gesehen und erlebt. Das wäre ein köstliches Wasser. Wenn er das immer hätte, so sollte es nicht lange dauern und er wollte sich bald so viel zusammen schießen, daß er der reichste Mann würde. Darauf sagte der Alte: Weil du das Glas gleich so gutwillig mir wiedergeben willst, da du doch weißt, was es für einen großen Werth für dich hat, so sollst du es ganz behalten. Damit du aber weißt, wozu es noch gut ist, so habe ich dir noch nicht Alles gezeigt und gesagt, was man damit erzielen kann. Sieh, hier nahm er einen breiten Schieferstein auf, goß drei Tropfen aus dem Glas darauf und in dem Augenblick war der Stein in ein eben so großes Stück Silber verwandelt, das er dem Bergmann hinreichte. So kann man es auch gebrauchen. Das nimm zur Belohnung für deine Mildthätigkeit und gebrauche es ordentlich, aber mißbrauche es nicht, sonst ist es dir unter den Händen weg. Der Bergmann drückte dem Alten die Hand und in dem Augenblick war dieser verschwunden. Ganz überglücklich gieng der Bergmann nach Haus, brauchte das Glas nach der Vorschrift und ist so nach und nach zum reichen Mann und zum berühmtesten Schützen auf dem ganzen Harze geworden.

(von August Ey)

HMG09 – Der Todtentanz

In Clausthal trägt ein Schusterjunge eine Suppe weg, der Meisterin Schwester hat in Wochen gelegen und der soll er die Wochensuppe hinbringen.

Er geht über den Gottesacker, es ist ein hübscher Abend gewesen; aber der Mond hat nicht geschienen. Als er bei die Gottesackerkirche kommt, so sieht er vom Wege links ab vor der hintern Kirchthür, die auf diesseits gewesen ist, Vier mit einander tanzen; sie haben Sterbekittel an und er weiß, daß sie alle Vier schon vor zwei oder drei Jahren gestorben sind. Zwei Männer und zwei Frauen. I, denkt er, was ist denn das? träumst du denn, oder bildest du dir das ein? Du sollst einmal ordentlich zusehen. Er geht also vom Weg ab und hin und will sich überzeugen. Als er noch ein paar Schritt davon entfernt ist, da lassen die Träger los und eins der Mannsbilder springt auf ihn zu, und giebt ihm eine solche Ohrfeige, daß dem Jungen der Kopf halb auf der Seite sitzt. Natürlich läßt er vor Schreck den Teller mitsammt dem Suppennapf fallen und geht zu Haus und weint. Als er nach Haus kommt, erzählt und sagt, er habe den Napf mit der Suppe fallen lassen, da will ihn seine Meisterin noch dazu schlagen. Sie hats aber nicht nöthig; denn der Junge fällt um und ist todt.

Das kommt vom Vorwitz.

(von August Ey)

HMG08 – Die Königstochter ein Schmetterling

In einem schönen Schloße hier am Harze wohnte eine Königin mit ihrer Stieftochter. Der König war todt und hatte das Mädchen seiner zweiten Frau auf die Seele gebunden, daß sie sich seiner annähme, und es gut hielte. Wie aber der Vater todt war, da waren auch dem Mädchen seine guten Tage aus und doch war es so gut und so fromm, dabei wie Milch und Blut, ja so schön, wie es noch kein Mädchen auf der Welt gegeben hatte. Das rührte aber alles die böse Stiefmutter nicht, sie that Tag für Tag dem guten Kinde mehr zu leid, ja es bekam auch sogar Schläge auf seinen Rücken, und auf seine wunderlieblichen Backen, daß ihm die Thränen davon fielen. Das hielt es alles ruhig aus, es wiedersprach nicht, es widersetzte sich nicht, es blieb sanft und gut, aber sein Herz schwamm ständig in Thränen. Wer das sah, dies Elend, der mochte noch so hart sein, dem wurde das Herz weich. Ein jeder hätte gerne dem unglücklichen Kinde geholfen, sie konnten aber nicht; denn die Königin hatte das Regiment ganz allein, und wehe dem, wer etwas ihr darüber gesagt oder tethan hätte. So mußte denn das arme Kind sein Leid tragen. Alle Mittag durfte es eine halbe Stunde spazieren gehen auf der Wiese, die bei dem Schloße war, da weinte es sich denn recht dick und satt und oft war es, als wollte ihm sein gutes Herz brechen. Ach, wie manch heißes Gebet that es hier, wie oft sah’s nach dem Himmel, wo sein guter Vater war, wie klagte es da dem lieben Gott seine Noth und bat zuletzt, er möchte es doch von der Welt und zu seinem Vater in den Himmel nehmen, damit es von seiner bösen Stiefmutter wegkäme. So war denn manches Jahr darüber hingegangen, es lebte aber immer noch und trug sein Unglück mit Geduld. Einen Trost hatte es, das war sein gutes Gewissen und eine Hülfe, sein Gebet, die hielten es, daß es nicht ganz verzweifelte, sondern Muth behielt. Nach einem recht schönen Tage, wo es wieder tüchtig von der Stiefmutter ausgezankt und geschlagen war, gieng es wieder auf die Wiese hinaus, und betete heute recht inbrünstig zu Gott, er möge es doch aus dieser Jammerhöhle zu sich nehmen, er möge sich seiner doch endlich erbarmen. Da hörte es auf einmal eine Stimme, es war, als käme sie vom Himmel, die sagte: „Warte bis diesen Abend.“ Ruhig gieng es zu Haus, that seine Arbeit, heute schneller und viel besser noch, als sonst, und dann gieng es in sein Kämmerlein, betete erst noch einmal recht ordentlich und wollte sich dann auf sein Bett legen und dachte, darnach ständ es nicht wieder auf. Es kam aber anders. Als es mit Beten fertig war, that sich die Thür auf und herein kam ein kleines graues Männlein und sprach: „Dein Gebet ist erhört, du sollst errettet werden. Du sollst der schönste Schmetterling werden, du sollst dich an Blumenduft und Honigseim laben und Niemand soll dich verfolgen und fangen dürfen, als deine böse Stiefmutter, die aber soll in eine häßliche Nachteule verwünscht werden und bestimmt sein, dich bei Tag zu verfolgen und von den andern Vögeln gejagt und gepeinigt zu werden.“ In dem Augenblick war das liebliche Mädchen der wunderschöne Schmetterling, und das graue Männchen war verschwunden. Der Schmetterling flog durch das Fenster, das noch offen war und suchte sich auf einem Baumblättchen eine Stelle zum schlafen. Eben hatte er sich aber zurecht gesetzt, so hörte er einen Ton, der klang wie der einer Nachteule und richtig, die kam daher geflogen, konnte den Schmetterling aber nicht gewahr werden, weil er im Laube saß. Die Eule setzte sich auf einen andern Baum und heulte und winselte die ganze Nacht. Der Schmetterling hörte es und dachte, das ist deine böse Stiefmutter. Hätte sie dich nun besser behandelt, so wäre es so nicht gekommen. Als es Morgen geworden war und die Sonne schien über Berg und Thal, da flog der Schmetterling auf und in den Blumengarten, von einer Blume zur andern und freute sich seines Lebens; denn die Blumen rochen so schön und sahen so schön aus, und hatten auch alle schönen Honigseim, daß sich der Schmetterling recht satt trinken konnte. Es dauerte aber nicht lange, so kam die böse Nachteule und wollte den Schmetterling fangen. Doch der sah früh genug die Eule und flog weg und war unter den Blumen verschwunden. Als ihn die Eule noch suchte, kamen denn die Schwalben und die Bachstelzen und stachen und jagten die Eule von einem Fleck zum andern, bis sie am Ende in ein Tiefes Loch, das in der Mauer war, retirirte. Die Vögel schwirrten noch immer davor herum und ließen sie nicht heraus. Da konnte der Schmetterlin wieder hübsch umherfliegen, und so gieng es den ganzen Sommer. Als es aber anfieng kalt zu werden, dakam gerad einmal ein Prinz auf das Schloß und wollte von hier in den Harz auf die Jagd gehen. Da flog der Schmetterling im Garten umher, und der Prinz war auch gerade im Garten. Mit einmal kam die Eule angeschossen und faßte den Schmetterling und wollte ihn zerreißen. Da stürzte aber gleich der Prinz darauf los, der sich den Schmetterling schon längst gewünscht hatte und packte die Eule und drehte ihr den Hals um. In dem Augenblick aber, daß der Schmetterling von der Eule berührt war, war es wieder das liebliche hübsche Mädchen geworden. Der Prinz verwunderte sich, reichte ihr die Hand, und sie wurde seine Frau. Nachher hat sie ihm ihre Geschichte erzählt und sie haben lange Jahre mit einander gelebt; da hat’s die Prinzessin gut gehabt bis an ihr Ende. auWqos76gbs1lmdpshd525hDoUocdPu1c7Yqzxm

(von August Ey)

HMG07 – Der Hund

Es waren einmal zwei Brüder, der Eine, ein Advokat, war reich, geizig, verschmitzt und schlecht, er betrog die Leute, wo er nur konnte; der Andere, ein Schäfer, war arm, ehrlich und fromm. Der Arme ermahnte oft den Reichen und sagte: „Laß doch ab von deinem Lebenswandel und denke daran, daß du einmal sterben und Gott von allem Rechenschaft geben mußt, was du gethan hast.“ Der Reiche aber lachte und spottete darüber und sprach: „Ach geh’ mit deinen Reden; ich will mit deinem Gott schon fertig werden; ich habe schon viele Processe geführt und bin immer gut durchgekommen, diesen Proceß, der mir da noch bevorsteht, will ich auch wohl gewinnen,“ und was des überklugen und stolzen Geschwätzes noch mehr war.

Es kam aber die Zeit, daß der Reiche starb. Als er nun begraben war, saß der Schäfer des Abends einmal bei seiner Heerde und dachte darüber nach, wie es seinem verstorbenen Bruder wohl gegangen sein möchte, ob er jetzt glücklich und selig, oder verdammt wäre. In Gedanken vertieft, wird er einen großen schwarzen Hund gewahr, der an der Grenze der Wiese herauf auf ihn zukommt. Nach einigen Minuten steht das Thier kopfhängend und demüthig vor dem Hirten und sieht den Dasitzenden an. Der Schäfer wundert sich über das sonderbare Benehmen des Thieres und spricht, ohne eine Antwort zu erwarten: „Wo kommst du denn her, was willst du?“ Der Hund aber antwortet: „Ach Bruder, hätt’ ich dir doch gefolgt! Als ich vor Gottes Thron kam, war mein Urtheil schon bestimmt, war der Fluch über mich schon ausgesprochen, und nun kann ich nicht eher selig werden, bis das Geld, um welches ich die Leute betrog, was ich unrecht erworben habe, wieder an seine rechtmäßigen Herren gekommen ist.“ Hierauf giebt der Hund – der, beiläufig bemerkt, der verstorbene Advokat war – seinem Bruder die Namen derer an, welche er um das Geld betrogen hatte, und sagt ferner, daß der ganze Schatz in seinem Garten unter dem großen Kirschbaum verborgen läge und bittet den Hirten, das Geld an die rechtmäßigen Herren zurück zu geben. Der Schäfer erfüllt treu die Wünsche seines verstorbenen Bruders und vertheilt das übrig gebliebene Geld, zu welchem sich keine Herren gefunden hatten, unter die Armen. Darauf hat sich der Hund nicht wieder sehen lassen.

(von August Ey)

HMG06 – Die Schildwache

Ein König hatte eine bildschöne Tochter, das war des Vaters höchstes Gut und er liebte sie über alles in der Welt.

Da kam einst ein mächtiger Zauberer, der von der großen Schönheit der Prinzessin gehört hatte und wollte sie heiraten. Der König aber schlug dem Freier die Bitte ab und so die Tochter auch. Deshalb wurde der Zauberer böse und verwünschte die Prinzessin; denn er sprach: „Du sollst augenblicklich sterben, und alle Nacht um 11 Uhr aus deinem Grabe heraus steigen und bis um 12 Uhr ein Bär sein!“ Du König aber sollst alle Nacht eine Wach an das Grab stellen, und tust du das nicht, so bist auch du ein Kind des Todes.

Als er das gesagt, stürzte das blühende Mädchen tot zur Erde, der Zauberer aber war verschwunden. Man machte alle möglichen Versuche, das Mädchen zu retten, sie war aber tot und blieb tot. Weil nun alles nicht half, so wurde sie in der Kirche begraben und dem Vater brach darüber beinahe das Herz. Er erinnerte sich aber an den schrecklichen Befehl des Zauberers und ließ eine Wache an das Grab stellen.

Am folgenden Morgen bekam der betrübte König die Nachricht, das die Wache zerrissen und tot bei dem Grabe gefunden wäre; den zweiten Morgen kam die nämliche schreckliche Botschaft und so alle Tage. Das ging lange Zeit so und der König hatte fast keine Soldaten mehr, die Wache bei der verstorbenen Prinzessin stehen wollten; deshalb musste endlich jedes mal gelost werden. Da traf einst das Los einen Soldaten, der ein junger hübscher Mensch und der einzige Sohn seiner Eltern war. Als er aber gezogen hatte, wurde er ganz traurig; denn er dachte, dass es ihm nicht besser gehen würde, wie seinen andern Kameraden, die Wache bei dem Grabe standen. In seiner Verzweiflung ging er noch einmal hinaus ins Freie, er wusste aber nicht wohin; da begegnete ihm ein altes Mütterchen, das fragte ihn, warum er so traurig sei. Er erzählte ihm sein Schicksal. Das Mütterchen aber sagte, er möge nur ruhig sein; wenn er hinkomme, so solle er sich an das Grab stellen und ja nicht einschlafen, und wenn es elf schlüge, so würde ein Bär aus dem Grabe kommen, dann solle er anfangen zu laufen, Trepp’ auf, Trepp’ nieder, bis dreiviertel auf zwölf, dann aber geschwind in das leere Grab springen und ja nicht wieder herausgehen, sonst müsse er sterben. Der Soldat dankte dem Mütterchen aufs herzlichste und ging gestärkten Mutes wieder in sein Quartier zurück.

Der verhängnisvolle Abend kam heran, man brachte den Unglücklichen unter vielen Trauerbezeugungen hin in die Kirche und schloss die Tür hinter ihm zu, damit er nicht entlaufe. Er stellte sich treu dem Befehle neben das Grab und erwartete mit Klopfendem Herzen die Mitternachtsstunde. Als es Elf schlug, tat sich das Grab auf und ein Bär kam heraus. Da fing der Soldat an zu laufen immer zu, und der Bär hinter ihm drein. Als nun der Mensch bald nicht mehr laufen konnte, da schlug es endlich dreiviertel auf zwölf und geschwinde sprang er in das offene Grab und blieb darin sitzen. Da das der Bär sah, legte er sich auf’s Bitten und sagte: „Schildwache, gehe aus meinem Grabe!“ Der Soldat blieb aber steif und fest darin sitzen. Der Bär bat immer dringender und inbrünstiger, aber jener blieb im Grabe sitzen. Da schlug es zwölf Uhr und mit dem letzten Schlag tat der Bär einen Schrei, dass dem Soldaten Hören und Sehen verging und in dem Augenblick war der Bär wieder in die Prinzessin verwandelt, die stand vor dem Grabe und war wieder lebendig. Da er das sah, stieg er aus der Gruft und war froh in seinem Herzen; denn er hatte die Königstocher erlöst.

Am andern Morgen kam der König und wollte sehen, was aus dem Soldaten geworden wäre. Wie erstaunte jener aber, als dieser ihm ganz unversehrt mit der Prinzessin an der Hand entgegen kam. Da war große Freude und der König gab sie ihm zur Frau und beide lebten glücklich mit einander lange Jahre.

(von August Ey)

HMG05 – Sonderfolge

Glück Auf, liebe Hörer,

nach einer längeren Pause haben wir uns entschieden den Harzmagie-Podcast mit neuen Folgen und einem neuen Konzept fortzuführen. Das ursprüngliche Vorhaben, die Folgen mit wechselnden Sprechern aufzunehmen, hat sich nicht bewährt. Aber es es gab noch einen weiteren Grund für die ausbleibenden Folgen.

Einige von Euch haben sicher den Nachruf bereits gelesen. Unsere liebe Hochharzhexe Eva ist am überraschend verstorben. Wir werden Eva sehr vermissen. Der Podcast war Evas Idee und wir möchten ihn in ihrem Gedenken fortführen.

Wir hoffen, die neuen Folgen werden euch gefallen.

Glück Auf und viel Spaß beim zuhören

HMG03 – Hanskuehnburg

Zu der Zeit, als noch Wölfe und Bären hier am Harz allein Herren gewesen sind und alles dicker Urwald war, bringt ein Mann, Hans Kühn hat er geheißen und in Herzberg gewohnt, seine beiden Pferde nach dem Bruchberg in die Weide. Da es damals noch viel Wildpret hier gegeben hat, so haben jene Fresser sich daran was zu gute getan und selten andere Tiere und noch weniger Menschen angefallen. Deshalb hat Hans Kühn sich und seine Pferde für sicher gehalten und ist dreist darauf in den Harz hinauf geritten.

Dort angekommen, wo jetzt noch der Felsen steht, der die Hans Kühnburg heißt, kommt aber eine Schar Wölfe aus dem Dickicht mit furchtbarem Geheule und mit schrecklicher Eile auf ihn zugestürzt, dass er in seiner Herzensangst vom Pferde hinunter springt und so schnell als möglich auf die Spitze des Felsens klettert. Er ist auch so glücklich, hinauf zu kommen. Von dort oben ab sieht er aber nun dem Kampf der Wölfe mit den Pferden zu.

Die Pferde stellen sich mit den Köpfen zusammen und schlagen kräftig hinten aus, um sich so gut wie möglich zu wehren. Die Menge der Feinde ist aber zu groß, und die Bestien sind zu flink. An ein Entlaufen ist nicht zu denken gewesen; die Ungeheuer kreisen die armen Tiere enger und enger ein, bis sie sie zuletzt zerfleischt und getötet haben. Darüber kommt der Abend und die Sonne geht herrlich unter, da oben aber sitzt von großer Angst und Bangigkeit gequält noch immer unser Hans Kühn und darf seine Burg, die ihn schützt, nicht verlassen; denn die Wölfe umkreisen noch immer den Felsen und bewachen ihn dort ohne abzulassen.

Es wird vollkommen Nacht und die Bestien verlassen den Felsen nicht. Der Morgen kommt, der Abend bricht wieder herein, und noch immer sind die Bestien da. Der dritte Morgen beginnt zu leuchten und die Wölfe gehen nicht weg, desto schlimmer wird aber der arme Mann von Durst und Hunger und von Angst und Not gequält. Alles Rufen, alles Schreien, Fluchen und Beten hat nicht geholfen und er nimmt sich vor, lieber hier oben zu verhungern, als sich von den Tieren zerreißen zu lassen.

In der dritten Nacht, als er es nicht mehr aushalten kann, da er fast ohnmächtig zur Erde sinkt, fängt er nochmals an, recht herzhaft um Hilfe zu beten und siehe da, eine große Ohreule kommt aus den Felsen zugeflogen, setzt sich bei ihm nieder und hat eine Rute im Schnabel, welche sie vor sich auf die Erde legt. Nachdem sie sich zurecht geschüttelt und ihre Federn in Ordnung gebracht hat, fängt sie an, in einem tiefen Basston an zu reden: Du unvorsichtiger Mensch, warum bist du so dummdreist gewesen und hast dich ohne Waffen hier in diese unsichere und gefährliche Gegend gewagt. Eigentlich müsstest du hier verhungern und dein Fleisch von den Raaben verzehren lassen; doch dein und deiner Frau und Kinder Gebet ist zu herzlich und innig gewesen, darum bin ich da, dir zu helfen. Siehe, diese Rute, die ich dir mitgebracht habe, bringt dich durch die Gefahren hindurch, welche dir durch die reißenden Wölfe bereitet werden.

Er greift gleich danach und er fühlt neue Kraft in seine matten Glieder, er fühlt auch neuen Mut und eine Belebung des Leibes, wie er sie zuvor nie gekannt hat.

Nimm das Kleinod in Acht! ruft ihm die Eule im Wegfliegen zu und ist verschwunden. Er aber hat die verhängnisvolle Rute in der Hand und traut kaum sich selbst und dem, was er gehört und gesehen hat. Mit dem Zauberstab bewaffnet, steigt er von seinem Felsen herunter und geht dreist seinen Weg entlang und die Wölfe gehen ihm, ihrem Feind, aus dem Wege.

(von August Ey)